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OnlyFans-Agenturvertrag: 12 Klauseln erklärt

Was jede Klausel in einfachen Worten bedeutet, wie eine faire Fassung aussieht, woran Sie Warnsignale erkennen und welche Frage Sie vor der Unterschrift stellen sollten.

Aktualisiert 9 Min. LesezeitAuch auf English

Inhalt

Ein OnlyFans-Agenturvertrag wird meist von zwölf Klauseln entschieden. Wer diese zwölf zweimal liest, weiß, was die Agentur darf und was nicht, was sie kostet und wie man wieder rauskommt. Der Rest sind überwiegend Definitionen und Standardtext. Dieser Ratgeber erklärt jede der zwölf Klauseln in einfachen Worten, wie eine faire Fassung meist aussieht, woran Sie Warnsignale erkennen und welche Frage Sie vor der Unterschrift stellen sollten.

Er richtet sich an Creator, die schon verdienen und entweder kurz vor der Unterschrift stehen oder verstehen wollen, was sie unterschrieben haben. Wenn Sie gerade von einer Agentur zur nächsten wechseln, lesen Sie ihn zusammen mit unserem Ratgeber OnlyFans-Agentur wechseln: Schritt für Schritt.

So lesen Sie den Vertrag

Nehmen Sie die unterschriebene Fassung, nicht den ersten Entwurf. Lesen Sie ihn einmal ohne Pause von vorne bis hinten. Gehen Sie dann Klausel für Klausel mit dieser Seite durch und schreiben Sie pro Klausel einen Satz in Ihren eigenen Worten: „Ich kann mit 30 Tagen Frist per E-Mail an diese Adresse kündigen." Wenn Sie diesen Satz nicht schreiben können, ist die Klausel unklar, und eine unklare Klausel hilft meistens der Seite, die sie geschrieben hat.

Viele Agenturverträge sind auf Englisch. Die englischen Begriffe stehen deshalb in Klammern dabei.

Nr.KlauselIn einem Satz
1Laufzeit und Verlängerung (term, renewal)Wie lange er läuft und ob er sich selbst verlängert
2Kündigungsfrist (notice)Wie und wann Sie ihn beenden
3Provision und Basis (commission)Wie viel Prozent, von welchem Betrag
4Nachlaufklausel (tail)Provision nach dem Ende
5Account-Zugang (access)Wer Login, E-Mail und 2FA hat
6Auszahlung (payouts)Wohin das Geld zuerst fließt
7Inhalte und Rechte (IP, licence)Wem die Inhalte gehören und wer sie nutzen darf
8Exklusivität und WettbewerbsverbotMit wem Sie sonst arbeiten dürfen
9Vertragsstrafen (penalties)Was ein früher Ausstieg kostet
10Berichte und Einsicht (reporting, audit)Was Sie sehen und prüfen können
11Vertraulichkeit und DatenWas mit Ihren Daten und Geheimnissen passiert
12Anwendbares Recht (governing law)Welches Recht und welches Gericht gilt

1. Laufzeit und Verlängerung

Was sie bedeutet: ob der Vertrag für eine feste Zeit läuft (sechs Monate, ein Jahr) oder bis jemand kündigt, und ob sich eine feste Laufzeit automatisch verlängert.

Faire Fassung: unbefristet mit Kündigungsfrist oder eine kurze feste Laufzeit, die sich nicht ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung verlängert.

Warnsignale: lange feste Laufzeit mit automatischer Verlängerung und schmalem Kündigungsfenster, etwa „verlängert sich um 12 Monate, wenn nicht 90 Tage vor Ablauf gekündigt wird".

Fragen Sie: „Wenn ich im vierten Monat gehen will, was genau mache ich, und wann endet der Vertrag dann?"

2. Kündigungsfrist

Was sie bedeutet: wie viel Vorlauf Sie geben müssen und in welcher Form, also E-Mail an eine bestimmte Adresse, Brief oder ein Formular im Portal.

Faire Fassung: eine Frist in Wochen statt Monaten, per einfacher E-Mail. Dreißig Tage sind verbreitet.

Warnsignale: Kündigung nur per Einschreiben an eine Adresse im Ausland, oder eine Frist, die erst zum Quartalsende läuft.

Fragen Sie: „An welche Adresse geht die Kündigung, und reicht eine E-Mail?"

Steht im Vertrag nichts, füllt das anwendbare Recht die Lücke. Nach deutschem Recht kann ein Dienstvertrag mit monatlicher Vergütung standardmäßig spätestens am 15. eines Monats zum Monatsende gekündigt werden (§ 621 Nr. 3 BGB). Bei „Diensten höherer Art", die auf besonderem Vertrauen beruhen, ist nach § 627 BGB unter Umständen eine Kündigung jederzeit möglich, und aus wichtigem Grund lässt sich jeder Dienstvertrag fristlos beenden, allerdings nur innerhalb von zwei Wochen, nachdem Sie vom Grund erfahren haben (§ 626 BGB). Ob das auf Ihren Fall passt, beurteilt eine Anwältin oder ein Anwalt.

3. Provision und ihre Basis

Was sie bedeutet: der Anteil der Agentur und der Betrag, von dem er berechnet wird. Die Basis ist genauso wichtig wie der Satz.

Faire Fassung: ein Satz, der im Vertrag steht, mit klar benannter Basis: Netto (was nach der Plattformgebühr bei Ihnen ankommt) oder Brutto (was Fans gezahlt haben).

Warnsignale: ein Satz, der nur im Gespräch genannt wird, „Umsatz" ohne Definition, oder Zusatzkosten für Tools, Chatter oder Werbung ohne Obergrenze.

Fragen Sie: „Brutto oder Netto, und gibt es sonst noch Kosten für mich?"

Laut OnlyFans-Nutzungsbedingungen beträgt die Plattformgebühr 20 % der Fan-Zahlungen. Derselbe Provisionssatz kostet Sie auf Brutto also mehr als auf Netto. Veröffentlichte Marktspannen gehen weit auseinander: Desirely nennt grob 20 % bis 50 % vom Netto, je nach Umfang, und manche Verträge liegen darüber. Der englische Ratgeber Is an OnlyFans agency worth it? rechnet das mit Beispielzahlen durch.

4. Nachlaufklausel

Was sie bedeutet: Provision, die nach Vertragsende weiterläuft, für eine bestimmte Zeit oder auf Fans und Deals, die die Agentur gebracht hat.

Faire Fassung: keine, oder eine kurze, klar begrenzte Zeit für konkrete Arbeit, die noch Geld einbringt.

Warnsignale: nachvertragliche Provision ohne Enddatum, oder auf „sämtliche Umsätze" statt auf bestimmte Deals.

Fragen Sie: „Schulde ich Ihnen nach dem letzten Vertragstag noch etwas auf meine Einnahmen?"

5. Account-Zugang

Was sie bedeutet: wer Login, Account-E-Mail, Zwei-Faktor-Schutz und die verknüpften Social-Media-Accounts kontrolliert.

Faire Fassung: alles bleibt bei Ihnen. Die Agentur arbeitet über einen Zugang, den Sie vergeben und wieder entziehen können.

Warnsignale: Die Agentur legt die Account-E-Mail an, verlangt Ihr Passwort oder behält das 2FA-Gerät „der Einfachheit halber". Laut OnlyFans-Nutzungsbedingungen besteht die Vertragsbeziehung mit Ihnen, und Sie bleiben für alles verantwortlich, was gepostet wird, auch wenn jemand anderes hilft.

Fragen Sie: „Brauchen Sie jemals mein Passwort, und auf wessen Handy läuft die 2FA?"

6. Auszahlung

Was sie bedeutet: wohin die Plattform das Geld zuerst überweist.

Faire Fassung: auf Ihr eigenes Konto. Die Agentur stellt ihre Provision danach in Rechnung.

Warnsignale: Auszahlung auf ein Konto der Agentur, die Ihnen dann „Ihren Anteil" überweist. Damit verlieren Sie die Kontrolle über Zeitpunkt und Höhe, und der Ausstieg wird schwerer.

Fragen Sie: „Auf wessen Konto zahlt OnlyFans aus?"

7. Inhalte und Rechte

Was sie bedeutet: wem Ihre Inhalte gehören und was die Agentur während und nach dem Vertrag damit tun darf.

Faire Fassung: Alles gehört Ihnen. Die Agentur darf Inhalte nur nutzen, um Ihren Account zu führen, wie Sie es freigeben, und nur solange der Vertrag läuft. Kopien werden am Ende gelöscht.

Warnsignale: eine Übertragung von Rechten, eine Lizenz, die über das Vertragsende hinaus gilt, oder Nutzungsrechte „für Marketingzwecke" ohne Grenze.

Fragen Sie: „Was dürfen Sie mit meinen Inhalten machen, nachdem ich gegangen bin?"

8. Exklusivität und Wettbewerbsverbot

Was sie bedeutet: ob Sie während des Vertrags mit anderen Agenturen oder Managern arbeiten dürfen, manchmal auch danach.

Faire Fassung: Exklusivität nur für die Leistungen, die die Agentur tatsächlich erbringt, und nur während der Laufzeit.

Warnsignale: ein Wettbewerbsverbot, das Monate nach Vertragsende gilt, oder Leistungen umfasst, die die Agentur gar nicht anbietet.

Fragen Sie: „Ab wann dürfte ich frühestens mit jemand anderem unterschreiben?"

9. Vertragsstrafen

Was sie bedeutet: feste Summen, die Sie zahlen, wenn Sie früher gehen oder gegen eine Klausel verstoßen.

Faire Fassung: keine. Eine Kündigungsfrist schützt beide Seiten ausreichend.

Warnsignale: eine Pauschale für den frühen Ausstieg oder „Schadensersatz" in Höhe eines Umsatzanteils. Ob so etwas wirksam ist, hängt vom Recht ab. In Deutschland können Klauseln in AGB unwirksam sein, wenn sie Sie unangemessen benachteiligen, auch weil sie nicht klar und verständlich sind (§ 307 BGB).

Fragen Sie: „Gibt es irgendeinen Fall, in dem ich Ihnen einen festen Betrag zahle?"

10. Berichte und Einsicht

Was sie bedeutet: was Sie über Ihr eigenes Business erfahren, wie oft, und ob Sie die Zahlen prüfen können.

Faire Fassung: ein schriftlicher Bericht in festem Rhythmus mit Umsatz nach Kategorien und den vorgenommenen Änderungen, dazu jederzeit voller Zugang zu Ihrem eigenen Dashboard.

Warnsignale: eine „monatliche Zusammenfassung" ohne Details oder irgendeine Einschränkung beim Blick in Ihre eigene Statistik.

Fragen Sie: „Kann ich einen Beispielbericht mit geschwärzten Zahlen sehen?"

11. Vertraulichkeit und Daten

Was sie bedeutet: wer erfahren darf, dass Sie mit der Agentur arbeiten, und was mit Ihren persönlichen Daten, Chats und Dateien passiert.

Faire Fassung: Die Agentur nennt Sie nie, alle, die Ihr Postfach lesen, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet, und Ihre Daten werden am Ende gelöscht, soweit keine gesetzliche Aufbewahrungspflicht besteht.

Warnsignale: Die Agentur darf Sie ohne Rückfrage als Referenz oder Fallbeispiel nutzen, oder die Vertraulichkeit bindet nur Sie, nicht die Agentur.

Fragen Sie: „Wer in Ihrem Team liest meine Nachrichten, und ist er zur Verschwiegenheit verpflichtet?"

12. Anwendbares Recht und Streitigkeiten

Was sie bedeutet: welches Landesrecht gilt und wo im Streitfall entschieden wird.

Faire Fassung: das Recht eines Landes, mit dem Sie realistisch umgehen können, idealerweise Ihres oder der bekannte Sitz der Agentur.

Warnsignale: eine Rechtsordnung, von der Sie noch nie gehört haben, oder ein verpflichtendes Schiedsverfahren im Ausland auf Ihre Kosten.

Fragen Sie: „Wenn wir uns nicht einig werden, wo wird das entschieden, und wer zahlt?"

Checkliste vor der Unterschrift

  • Ich kann für jede der zwölf Klauseln einen Satz in eigenen Worten schreiben
  • Ich kenne mein frühestes sauberes Vertragsende
  • Provisionssatz und Basis (Brutto oder Netto) stehen im Vertrag
  • Es gibt keine Nachlaufklausel, oder ich weiß genau, wie lange sie läuft
  • Login, E-Mail, 2FA und Auszahlung bleiben bei mir
  • Meine Inhalte gehören mir, und Kopien werden am Ende gelöscht
  • Ich weiß, was ich jede Woche zu sehen bekomme
  • Es gibt keine Vertragsstrafen, denen ich nicht bewusst zugestimmt habe
  • Ich weiß, welches Recht gilt

Wo White Door bei diesen Klauseln steht

Unsere Antworten bekommen Sie schriftlich, bevor Sie unterschreiben. Account, Login, Inhalte und Auszahlungen bleiben auf Ihren Namen. Die Provision wird individuell und schriftlich vereinbart und liegt oft unter dem, was Creator heute zahlen. Sie bekommen jede Woche einen schriftlichen Bericht und können mit dreißig Tagen Frist gehen. Alles Weitere steht auf unserer Fakten-Seite.

Wenn ein Leak einer der Gründe ist, warum Sie Ihre Agentur infrage stellen, zeigt Ihnen der kostenlose Leak-Check, was im Netz kursiert, und der Ratgeber OnlyFans-Leaks entfernen erklärt, was man dagegen tun kann.

Häufige Fragen

Was sollte in einem OnlyFans-Agenturvertrag stehen?

Mindestens die Laufzeit und wie man ihn beendet, die Kündigungsfrist und ihre Form, wie die Provision berechnet wird und auf welcher Basis, ob nach dem Ende noch Provision anfällt, wer Login, E-Mail und Auszahlung hat, wem die Inhalte gehören, was Sie jede Woche berichtet bekommen, Vertraulichkeit und welches Recht gilt. Fehlt etwas davon, verlangen Sie es schriftlich.

Wird die Provision auf Brutto oder Netto berechnet?

Beides kommt vor. Brutto ist, was Fans zahlen, bevor die Plattform ihre Gebühr abzieht, Netto ist, was danach bei Ihnen ankommt. Laut den OnlyFans-Nutzungsbedingungen beträgt die Gebühr 20 % der Fan-Zahlungen. Derselbe Satz kostet Sie auf Brutto also mehr als auf Netto. Prüfen Sie immer, welche Basis Ihr Vertrag nennt.

Kann mich ein Agenturvertrag am Gehen hindern?

Ein Vertrag kann den Ausstieg langsamer oder teurer machen, durch eine feste Laufzeit, eine lange Frist, Vertragsstrafen oder eine Nachlaufklausel. Ob solche Klauseln wirksam sind, hängt vom anwendbaren Recht ab. In Deutschland sind Klauseln in AGB unwirksam, wenn sie Sie unangemessen benachteiligen, auch wenn sie nicht klar und verständlich sind (§ 307 BGB). Was für Ihren Vertrag gilt, sagt Ihnen eine Anwältin oder ein Anwalt.

Was ist eine Nachlaufklausel?

Eine Klausel, nach der auch nach Vertragsende noch Provision fällig wird, für eine bestimmte Zeit oder auf Fans, die die Agentur gebracht hat. Es ist die Klausel, die Creator am häufigsten zu spät entdecken. Achten Sie auf Begriffe wie nachvertragliche Vergütung, Nachprovision oder post-termination commission.

Sollte ich einen Agenturvertrag ohne Anwalt unterschreiben?

Bei einem kurzen Vertrag mit monatlicher Kündigung machen das viele Creator. Bei langer fester Laufzeit, Vertragsstrafen, Nachlaufklausel oder Rechten an Ihren Inhalten ist eine Stunde Anwaltsprüfung billig im Vergleich zu dem, was diese Klauseln kosten können.

Mein Vertrag ist auf Englisch. Gilt dann trotzdem deutsches Recht?

Nicht automatisch. Welches Recht gilt, steht meist in der Rechtswahlklausel. Viele Agenturen sitzen im Ausland, etwa in den USA, und wählen ihr eigenes Recht. Für Verbraucher gibt es Schutzregeln, ob Sie als Creator aber Verbraucherin oder Unternehmerin sind, hängt vom Einzelfall ab. Lassen Sie das im Zweifel prüfen.

Ein ruhiges Gespräch, in Ihrem Tempo

Wenn Sie Ihr Business in guten Händen wissen wollen, schreiben Sie uns kurz, gern auf Deutsch. Am meisten profitieren etablierte Creator, aber jeder Account bekommt eine ehrliche Antwort. Ein Partner liest jede Anfrage persönlich. Unverbindlich, Ihre Daten werden nie weitergegeben.

Vertrauliches Gespräch anfragen

Unverbindlich, vertraulich, Antwort auf Deutsch oder Englisch.